Heilige Stätten und berührende Begegnungen

Pilgerreise nach Israel und Jordanien 2019

42 Pilger aus Mainaschaff, Stockstadt und Umgebung mussten am 21. Oktober bereits früh aus den Federn, da der Flieger ins Heilige Land schon um 5.30 Uhr abhob. Leider musste Pfr. Georg Klar, der die Gruppe begleiten wollte, kurzfristig absagen. Eine Bronchitis hatte ihn ans Bett gefesselt.

Mit einem Zwischenstopp in Wien landeten alle wohlbehalten am frühen Nachmittag in Amman (Jordanien). Bereits im Vorfeld hatte Reiseleiter Johannes Zang in drei Informationsveranstaltungen Vorfreude geweckt und entsprechend groß war die Erwartung. Diakon Stefan Gehringer stimmte als geistlicher Begleiter der Gruppe die Pilger immer wieder mit Impulsen auf den Tag und den Besuch der heiligen Stätten ein.

Die erste Unterkunft wurde in Madaba bezogen, einer wichtigen Durchgangsstadt für Pilger der ersten Jahrhunderte. Bis heute zeigt die orthodoxe St. Georgskirche ein weltberühmtes Bodenmosaik aus dem 7. Jahrhundert. Die Mosaikkarte von Madaba ist das älteste bislang bekannte geografische Bodenmosaik der Kunstgeschichte. Sie ist für die Lokalisierung und Verifizierung biblischer Stätten von großer Bedeutung.

Dass Christen heute in Jordanien eine Minderheit darstellen, zeigte sich bereits am nächsten Morgen, als die Gruppe kurz nach fünf vom Ruf des Muezzins geweckt wurde. Aber es ging auch schon bald zur Besichtigung der ersten heiligen Stätte. Auf dem Berg Nebo konnte die Gruppe wie einst Moses über das Hl. Land sehen bis hin zum Jordantal und zum Toten Meer. In der dortigen Franziskanerkirche feierte Diakon Stefan Gehringer mit der Gruppe einen Wortgottesdienst.

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In den nächsten Tagen schloss sich in Jordanien ein interessantes, touristisches Programm an. Über das Wadi Mudschib, Jordaniens „Grand Canyon”, fuhren wir im Bus bis zur bekannten Nabatäerstadt Petra. Das berühmte „Schatzhaus” ist vielen spätestens aus dem Film „Indiana Jones - der letzte Kreuzzug” bekannt. Aber dieses Weltkulturerbe hat mit seinen Königsgräbern, dem römischen Theater, und vielen anderen Monumenten noch viel mehr zu bieten und ist alleine eine Reise wert. Kaum zu glauben, dass die damaligen Bewohner alle Monumente aus dem blanken Fels gehauen haben.

Auf dem Weg nach Akaba konnten wir auf einer Jeepsafari durch die Sandwüste von Wadi Rum einen kurzen Einblick in das Leben von Beduinen nehmen. Fast konnte man sich fühlen wie Lawrence von Arabien, der während der arabischen Befreiungskriege auch hier durchkam. Für ganz Mutige standen auch Kamele bereit.

Akaba empfing die Gruppe mit ca. 32 Grad. Umso schöner, dass wir die Abendstunden auf einem Boot zubringen durften. Die Korallenriffe erschienen beim Schnorcheln wie zum Greifen nah. Auf der Rückfahrt verwöhnten uns die Matrosen mit einem Barbecue und wir konnten den Sonnenuntergang am Roten Meer genießen.

Am nächsten Morgen holte uns der Grenzübertritt nach Israel aus den touristischen Träumen. Dass wir uns an einem der Brennpunkte dieser Welt befanden und die Beziehungen unter den benachbarten Ländern eher von gegenseitigem Misstrauen geprägt sind, konnten wir am Grenzposten erfahren, der wie ein Hochsicherheitstrakt organisiert ist.

Auf israelischer Seite erwartete uns dann aber bereits ein neuer Bus und wir mussten von unserem jordanischen Reiseleiter Wa-El Abschied nehmen, der uns sein Land sehr sympathisch und kompetent näher gebracht hatte.

Ab hier übernahm wieder Johannes Zang die Reiseleitung. Lange Jahre lebte er in Palästina und Israel und ist auch durch die vielen Gruppen, die er begleitet hat, ein ausgewiesener Kenner der Region.

Nach einem kurzen Badeaufenthalt am Toten Meer und einem Besuch des Lazarusgrabes bezogen wir gegen Abend unsere Unterkunft im Gästehaus der Vinzentinerinnen in Bethlehem.

Von hier aus besuchten wir selbstverständlich die bekannten Stätten der Christenheit. Auf palästinensischer Seite waren dies die Geburtskirche in Bethlehem und die Hirtenfelder in Beit Sahour. Der Garten Gethsemani, die Via Dolorosa und die Grabeskirche in Jerusalem standen natürlich auch auf dem Programm. Mehrfach mussten wir dazu die Grenzmauer zwischen Israel und dem Westjordanland passieren. Für viele arbeitsuchende Palästinenser ein fast unüberwindliches Hindernis, das die Teilung des Landes zementiert.

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Mit dem Besuch der Klagemauer konnten wir auch einen kleinen Einblick in jüdisches Leben gewinnen. Beeindruckend und auch bedrückend war der Nachmittag in der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem.

Neben den Besichtigungen ermöglichte unser Reiseleiter Johannes Zang auch immer wieder Begegnungen mit Menschen, die die Probleme der Region besser verständlich, aber auch Hoffnung auf Versöhnung und Frieden machten.

Besonders in Erinnerung geblieben sind die Begegnung mit dem palästinensisch-christlichen Friedensaktivisten Daoud Nassar. Am Eingang seines Weinbergs hat er geschrieben: „Wir weigern uns, Feinde zu sein”. Sein Projekt „Zelt der Völker” ist ein Freizeit- und Begegnungszentrum, überwiegend für Jugendliche, und wirbt für Verständigung und Frieden zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Kaum zu glauben, nachdem ihm der israelische Staat sein Gelände anektieren will und er sich seit über dreißig Jahren friedlich vor verschiedenen Gerichten dagegen wehrt.

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Eine weitere berührende Begegnung war der Besuch im Waisenhaus der Vinzentinerinnen. Dort haben sie 60 Kinder bis zu sechs Jahren aufgenommen. Die oft jungen Mütter können die Kinder nicht aufziehen, da die außerehelich geborenen Kinder von den Familien nicht akzeptiert werden oder die Mütter sogar um ihr Leben fürchten müssen.

Im Nachhinein betrachtet waren es die Begnungen mit diesen „lebendigen Steinen des Hl. Landes”, wie Johannes Zang in seinem Buch schreibt, und weniger die Besichtigungen der Kirchen und Denkmäler, die im Gedächtnis bleiben und berühren.

Auf einer Wüstenwanderung durch das Wadi Qelt zum orthodoxen St. Georgskloster konnte die Gruppe die karge Landschaft und die Weite der Wüste auf sich wirken lassen. Diakon Stefan lud zu Beginn ein, eine viertel Stunde Stille zu halten, um sich auch auf einen spirituellen Weg zu sich selbst zu machen.

Die letzten Tage verbrachten wir am See Genezareth in einem Kibuzz. Von dort aus begaben wir uns auf den Spuren Jesu zur Brotvermehrungskirche in Tabgha, wo wir auch Eucharistie feierten, nach Kafarnaum und Magdala.

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Den letzten Tag begannen wir mit einem Wortgottesdienst auf dem Berg der Seligpreisungen. Über Nazareth ginge es dann zum Flughafen nach Tel Aviv.

Es war eine tolle Reise mit beindruckenden Erlebnissen. Die große Gruppe harmonierte wunderbar und manch einem fiel der Abschied schwer. Zum großen Teil ist dies der engagierten Reiseleitung von Johannes Zang und der geistlichen Begleitung von Diakon Stefan Gehringer zu verdanken. Diesen beiden ein herzliches Vergelt‘s Gott von der ganzen Pilgergruppe.

Die Weggemeinschaft darf sich jetzt schon auf das Nachtreffen im Februar freuen und auch eine Anschlussreise war bereits im Gespräch.

Bis dahin Shalom-Salam

Johannes Mauder



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