Pastoral der Zukunft

In der Diözese Würzburg hat man sich auf den Weg zu einer "Pastoral der Zukunft" gemacht. An vielen Orten wird jetzt ausprobiert, wie es gehen kann, daß die Seelsorgeeinheiten immer größer werden und trotzdem die Ortsgemeinde im Blick bleiben. Seit Mai ist es beispielsweise für die drei Main-Gemeinden Stockstadt, Mainaschaff und Kleinostheim soweit. Durch den Weggang eines Pfarrers müßen die Karten neu gemischt werden. Burkard Vogt wollte vom neuen Leitungsteam wißen, wie das gehen kann, wo doch der Main die Stockstädter doch von den anderen trennt.

Seelsorger in der Pfarrgemeinde

Frau Gemeindereferentin Karin Farrenkopf-Párraga

ein Interview von Matthias Wienand für den Gemeindebrief "miteinander unterwegs" der Pfarrei Mainaschaff

Karin Farrenkopf-Párraga arbeitet seit 2010 als Gemeindereferentin in der Pfarrei in Stockstadt. Schon zuvor war sie Pfarrbeauftragte in Obernau. Im Interview gibt Sie uns Einblicke in ihr Leben, ihre Tätigkeit aber auch in ihre Zeit in Ecuador.

Liebe Frau Farrenkopf-Párraga, schön dass Sie sich im Interview unseren Lesern etwas näher vorstellen. Sie sind als Gemeindereferentin Teil der Gemeindeleitung in Stockstadt – was sind konkret Ihre Aufgaben?

Ja, ich bin die Gemeindeleiterin hier in Stockstadt. Rechtlich gesehen bin ich stellv. Vorstand der Kirchenverwaltung, praktisch gesehen bin ich Koordinatorin und Ansprechperson für alle Anliegen und Fragen in der Pfarrei hier vor Ort.

Eine der Aufgaben ist die Leitung der Wortgottesdienste in den drei Pfarrgemeinden, gerade so haben Sie die Mainaschaffer bereits kennengelernt.

Ja, besonders in Stockstadt und immer wieder einmal in Mainaschaff. In Stockstadt haben wir bereits ein Team – das Ehepaar Ursula und Stefan Schäfer, unser Diakon Stefan Gehringer und ich. Es ist mir ein Anliegen, noch weitere Wortgottesdienstleiterinnen und -leiter zu finden, aber das ist eine Herausforderung, zumal wir in Stockstadt viele Jahre keine Wortgottesdienste gewohnt waren.

Den letzten Interviewtermin mussten Sie wegen eines Trauerfalls in der Gemeinde kurzfristig absagen – schon daran sieht man, dass man als Seelsorgerin vor Ort nicht einfach Feierabend hat. Wie kommt damit Ihre Familie, Ihr Mann und ihre zwei Kinder, denn so klar?

Ja, das stimmt. Mein Handy ist (zumindest tagsüber) immer an und als Ansprechperson möchte ich auch erreichbar sein. Die Familie kommt damit so ganz gut klar. Als unsere Kinder klein waren hat mir mein Mann den Rücken frei gehalten und die Rolle des Hausmannes übernommen. Nun sind unsere Kinder erwachsen und sie akzeptieren die Einsatzbereitschaft ihrer Mutter. In den Zeiten der Pubertät bemerkten wir als Eltern auch, dass Familie und Beruf etwas mehr Trennung benötigten.

Sie haben zehn Jahre in Ecuador in Quito gelebt – was bewog Sie nach Südamerika zu gehen?

Ich glaube, dass irgendetwas in mich hineingepflanzt wurde, letztlich auch von Gott. Da war auch Neugierde, Abenteuerlust, Südamerika kennen zu lernen – sicher motiviert von Pfr. Josef Otter und Sr. Cornelia. Bei ihnen habe ich meine Jugendzeit erleben dürfen und Josef hat viel von Kolumbien erzählt. Dass es dann Ecuador geworden ist … das sind die Wege Gottes. Ich bin sehr froh und dankbar darüber, dass unsere Diözese mich damals als Gemeindereferentin in die pastorale Arbeit in die Erzdiözese Quito entsandt hat. Im Rückblick gesehen war es die Zeit, die mein Leben am stärksten geprägt hat: im Glaubensleben, durch das Kennen- und Liebenlernen einer neuen Kultur, durch meine Familiengründung mit Néstor, meinem Mann.

… und was nach Deutschland zurückzukehren?

Mein Mann in erster Linie. So wie ich anfangs auf Ecuador neugierig war, war er neugierig auf Deutschland. Die Kinder waren noch klein und wir ließen uns darauf ein, Deutschland zu erproben. Anfangs war nur eine kurze Zeit vorgesehen, so zwei bis drei Jahre. Jetzt sind es 19 geworden und wir sind auch hier glücklich. Wir merken, dass auch in Deutschland in der Kirche eine sehr herausfordernde Arbeit nötig ist. Es ist eine spannende Zeit, in der wir in unserer Kirche leben und wirken dürfen. Wir verstehen uns in einer Brückenfunktion – wir sind immer wieder gerne in Südamerika und halten auch einen guten Kontakt zu den Projekten, die wir von Anfang an dort begleitet haben. Das sind Kindergärten und eine Schule mit Hort für schwer erziehbare Kinder über die Steyler Missionare, mit unserem Freund Padre Lauren Fernández. Und so können wir auch von hier aus einiges tun, für die Kinder dort.

Was können wir für unsere Pfarrgemeinden von den Menschen in Südamerika lernen?

Die Freude am Leben, den Glauben als Lebenshilfe zu entdecken und uns immer wieder neu auf den Glauben einzulassen. Die Menschen dort haben trotz der Armut und des harten Lebens immer Freude im Herzen und auch Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht in jeden neuen Tag. Die Gastfreundschaft der Ecuadorianer weiß ich sehr zu schätzen. In der ärmsten Hütte wird man mit offenem Herzen empfangen und bekommt dort etwas angeboten, oftmals das Beste, was die Familie hat. Diese Offenheit bewegt! Somit habe ich die Gastfreundschaft Südamerikas, als einen sehr großen Schatz kennengelernt und versuche sie Tag für Tag zu leben. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, unser Pfarrbüro, unsere Gruppierungen und die ganze Pfarrgemeinde mit diesem Geist, den ja auch Jesus in seinem Johanneswort gelebt hat „Kommt und seht wie ich wohne!”, anzustecken.

Pfr. Kelly erzählt am Ende eines Gottesdienstes immer einen Witz, Pfr. Kaufmann hat uns hier im Interview seine Lieblingsstelle aus der Bibel mit auf den Weg gegeben. Was geben Sie unseren Lesern mit?

Dass ich mich freue über Begegnungen, sei es im Pfarrhaus oder auf der Straße. Mein Markenzeichen hier in Stockstadt ist das Fahrrad, mit dem ich auf allen Wegen unterwegs bin. Ich freue mich immer wieder, dass man mit dem Fahrrad nicht nur den Blick für die Natur hat und etwas für die Umwelt tut, sondern auch ganz einfach ins Gespräch kommt. Das ist mit dem Auto viel schwieriger.

Das Fahrrad ist ja auch eine gute Möglichkeit, um von Stockstadt nach Mainaschaff zu kommen. Wir freuen uns auf viele Begegnungen mit Ihnen. Frau Farrenkopf-Párraga, vielen Dank für das nette Gespräch!

07.04.2019

Herr Diakon Stefan Gehringer

Ein herzliches „Grüß Gott“ an alle, die unsere Homepage besuchen, besonders aber allen aus unseren Gemeinden Stockstadt, Mainaschaff und Kleinostheim.

Nun ist es doch tatsächlich schon ein Jahr her, dass ich hier in Stockstadt – es war am 01.11.2017 – als Diakon eingeführt wurde. Dieses Jahr ist so rasant vergangen, ich erinnere mich an den Gottesdienst und die darauffolgenden Begegnungen noch fast so, als wäre es gestern gewesen.

In bin dankbar, daß Ihr meiner Einladung – ganz offen auf mich zu­zugehen – so zahlreich gefolgt seid, ja es war ein Jahr voller sehr guter und schöner Begegnungen, und so kann ich sagen, ich bin froh in Stockstadt meinen Dienst tun zu dürfen. Allem voran die Arbeit mit den Jugendgruppen (Minis und Pfadis), das gemeinsame Wirken im neuen „Firm-Warm-up-Team“, die gemeinsamen Zeiten mit unseren Senioren und mein „Dasein dürfen“ für unsere Trauernden in Stockstadt, bereichern mich persönlich immer wieder aufs Neue, ja bestärken mich auf meinem Weg als Diakon. Und wie es so schön heißt: „Last but not least“, bin ich dankbar Teil eines großartigen Seelsorgeteams zu sein, das den Anspruch hat immer die Gemeinde im Blick zu haben.

Nun gilt es, weiterhin gemeinsam allem entgegenzugehen, was uns in dieser Zeit – die mehr denn je von Veränderungen geprägt ist – erwartet. Das gilt nicht nur für hauptamtliche Seelsorger*innen und den in unseren verschiedenen Gremien ehrenamtlich Engagierten, sondern für alle, denen unsere Pfarrgemeinde am Herzen liegt. Es geht nur gemeinsam!

Es gibt keinen Grund sich vor irgendwelchen Veränderungen zu fürchten; vielmehr gilt es, neue Möglichkeiten zu entdecken, und die schon heute vorhandene Lebendigkeit und Vielfältigkeit aufrecht zu erhalten. Das geht nur als Gemeinde, wenn wir uns ehrlich, aufgeschloßen und respektvoll begegnen und einander bereichern, so wie wir es ja bereits tun. Dafür ein herzliches Vergelt's Gott.

Auch wenn mich im kommenden Jahr verpflichtende weiterführende Studien nicht wenig in Anspruch nehmen werden, so gilt für mich, ich bin für Euch – liebe Gemeinde – da, als Wegbegleiter und Bruder im Glauben an Jesus Christus.

Gruß und Segen

Euer Diakon
Stefan Gehringer

30.10.2018



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