Die St.-Anna Kapelle

Vor dem oberen Tor, außerhalb der Ortsmauern am alten Stadtweg, stand die Anna-Kapelle - an dieser Stelle findet sich heute der Maibaum unserer Marktgemeinde. Über das Jahr der Erbauung wissen wir nichts genaues.

Aufschluss könnte allerdings die gotische Holzfigur der heiligen Anna geben, die sich in der Kapelle befand. Wegen dem Faltenwurf ihres Gewandes und ihrem Gesichtsausdruck, den jugendlichen Locken der Maria und der originalen Farbgebung könnte sie aus dem Umfeld Tilman Riemenschneiders (1455 bis 1531) oder seiner Schule entstammen. Diese Zeitspanne könnte auch die Entstehungszeit der Kapelle sein. Warum sie außerhalb der Ortsmauern erbaut wurde, ist rätselhaft. Vielleicht stand sie auch schon, als man den Ort mit einer Mauer umgab. Für die Erbauung dieser Mauer kommen zwei Daten in Betracht: 1461 im Auftrag von Kurfürst Dieter von Isenburg oder 1514 durch Uriel von Gemmingen. Das Bauwerk hat bewegende Zeiten erlebt, wie etwa den Bauernkrieg, den dreißigjährigen Krieg oder den Einmarsch von Napoleons Truppen. Aber auch Kaufmannszüge aus Nürnberg und Augsburg, mit der Frankfurter Messe als Ziel, zogen an der Kapelle vorbei. Bis 1810 blieb sie das einzige Bauwerk außerhalb der Ortsmauern.
Mit der Zeit wurde die Kapelle jedoch baufällig und so beschloss 1928 der Gemeinderat von Stockstadt, sie abzubrechen und an anderer Stelle wieder zu errichten. Das versprochene Errichten geriet jedoch in Vergessenheit.

Im Jahre 2007 fand Bürgermeister Lothar Schaffrath Sponsoren, um eine kleine neue Kapelle an der Oberwiese mit einem eigenen Bautrupp aufzubauen. Die gesamte Inneneinrichtung der alten Kapelle ist verschwunden, bis auf die eine kleine Holzfigur, welche die heilige Anna darstellt, die ihre Tochter Maria auf dem Schoß trägt. Das ursprünglich zu der Gruppe gehörige Jesuskind ging verloren. Man nennt die Figurengruppe: „Anna-Selbdritt“

Am 6. April 2008 war es schließlich soweit. Es war ein ganz besonderer Tag für die Gemeinde, als der Würzburger Weihbischof Helmut Bauer, assistiert von Pfarrer Werner Schwarzkopf, die neue Feldkapelle samt Anna-Statue und Glocke auf der Oberwiese im Gersprenztal segnete. Es ist die 73. Kapelle im Kreis Aschaffenburg.

Weihbischof Helmut Bauer war besonders davon angetan, dass dieses Denkmal des Glaubens nicht von der kirchlichen, sondern von der bürgerlichen Gemeinde errichtet wurde. Dieser Ort soll ein Platz der Ruhe und des Trostes sein und macht zudem inmitten einer wunderbaren Landschaft auf die Gegenwart des Schöpfers aufmerksam.

In der neuen Feldkapelle steht nur eine nachgeschnitzte Anna-Statue. Eine weitere Kopie ist in der Leonharduskirche an der Stelle des ehemaligen linken Seitenaltares zu finden. Die originale spätgotische Anna-Selbdritt-Figur wurde restauriert und wird nun, aus Sicherheitsgründen, unter Verschluss aufbewahrt.

Andrea Adrian, Manfred Traub und Markus Däsch

Dieses Bild zeigt die alte Anna-Kapelle, die sich an der Stelle befand, an der heute der Stockstädter Maibaum aufgestellt ist. Das direkt hinter ihr befindliche Gebäude gehört nicht mehr zu ihr.



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